Der VTH als „Seenotretter“

„Hilfe, wir haben eine große Stückzahl von Wälzlagern als Streckengeschäft an ein tschechisches Tochterunternehmen eines großen Kunden von uns verkauft. Nun droht der Betrieb mit der Geltendmachung eines Serienschadens, weil einige der Lager im Betrieb, das heißt über die ganze Welt verstreut, ausgefallen sind. Wie verhalten wir uns jetzt am besten gegenüber dem Kunden?“

Diese und ähnliche Hilferufe von Mitgliedsbetrieben landen tagtäglich auf den Schreibtischen der Mitarbeiter in der VTH-Geschäftsstelle. Dann fühlen sich Hauptgeschäftsführer Thomas Vierhaus sowie seine Kollegin Nadine Lorenz wie die Besatzung eines Seenotrettungskreuzers, die einen Havaristen inmitten des aufgewühlten Ozeans retten müssen, denn die Wellen schlagen schnell hoch, wenn solche Kundenreklamationen eintreffen. Die erste Frage ist dann immer:

Was ist denn genau passiert?

Nach einer Schilderung des Vorgangs können sich die beiden in der Regel schon ein recht gutes Bild machen, wer was von wem woraus will. Anschließend geht es um die konkreten Vertragsunterlagen wie Anfrage, Angebot, Bestellung, Bestellbestätigung, Rechnung und Reklamation. Zusätzlich sind Fragen zu klären, wie: „Wo ist der Gerichtsstand vereinbart?“ oder „Widersprechen die Einkaufsbedingungen des Kunden den eigenen Verkaufsbedingungen?“.

Nachdem feststeht, was tatsächlich vereinbart wurde und was nicht, kann das VTH-Team zumeist schon eine Einschätzung aussprechen, ob besser gleich ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden sollte oder ob man sich lieber mit dem Kunden einigt. „Im Fall der nach Tschechien gelieferten Wälzlager konnten wir anhand der Unterlagen sofort klären, dass nach beiden Geschäfts-bedingungen deutsches Recht gelten soll und mangels einer kundenseitigen Aussage der Gerichtsstand für beide Parteien in Deutschland am Sitz unseres Mitglieds vereinbart ist“, erläutert Vierhaus. „Da ist uns erst einmal ein Stein vom Herzen gefallen. Ferner hat sich, wie wir feststellen konnten, unser Mitgliedsbetrieb keiner Pflichtverletzung schuldig gemacht; es wurde pünktlich und in den gewünschten Teilmengen geliefert, was der Kunde bestellt hatte. Da die Beratung zur Produktauswahl durch den Hersteller direkt erfolgte, konnten wir auch das Kapitel Beratungshaftung zuklappen. Am Ende blieben die kaufrechtlichen Ansprüche des Kunden übrig, falls sich tatsächlich herausstellen sollte, dass die Wälzlager mangelhaft sind, was aber zu beweisen wäre. Das wird jetzt zwischen dem Endkunden und dem Hersteller abgeklärt, der zwischenzeitlich bereits signalisiert hat, dass es sich mit an Sicherheit grenzender Wahr-scheinlichkeit um einen Anwendungsfehler beim Einbau handelt und die Verkaufsseite keine Schuld trifft.“

Oftmals erfolgt die Seenotrettungsfunktion des VTH präventiv von Land aus, und zwar bevor das Schiff droht, auf ein Riff aufzulaufen. Dazu dienen das Radar und die ständige Seebeobachtung des VTH. Der Verband bedient sich eines großen Netzwerkes, um stets die neuesten Gesetze und Richtlinien zu finden und sie für seine Mitglieder daraufhin zu prüfen, welche darin enthaltenen Regelungen die Technischen Händler betreffen könnten. So kann der VTH exakte Seekarten, sprich Merkblätter herstellen und sie auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen analog sowie digital an seine Mitglieder ausleiten. Diese praktischen Informationen enthalten wichtige Hinweise darauf, was ein Technischer Händler konkret beachten muss. Und wenn es einmal besonders kompliziert wird, wofür das deutsche und europäische Recht fast schon garantieren, dann veranstaltet der VTH Seminare und Foren mit Fachexperten, die in der Interpretation von Gesetzestexten besonders versiert sind.

Der VTH sorgt auf diese Weise dafür, dass sich seine Mitglieder voll und ganz auf ihre Geschäfte konzentrieren, den richtigen Kurs bestimmen und die zum Wind passenden Segel setzen können. Sie wissen, dass ihnen ihr Fachverband im Notfall helfen wird und ihnen eine möglichst ruhige See vorbereitet, durch die sie problemlos hindurchmanövrieren können.