2. VTH-Thementag „Klebtechnik“

Mit dem Siegeszug des Klebens steigen die Anforderungen an den Fachhandel

In berechtigter Erwartung, mehr über eine „Schlüsseltechnik des 21. Jahrhunderts“ zu erfahren, erlebten 60 Technische Händler einen informativen 2. VTH-Thementag „Klebtechnik“. Perfekter Gastgeber war die VTH-Mitgliedsfirma Krückemeyer GmbH in Wilnsdorf im Siegerland.

Der 22. November begann mit einem Vortrag von Prof. Dr. Andreas Groß vom Fraunhofer IFAM in Bremen zum Thema „Klebtechnik – eine ganzheitliche Betrachtung“. Im Anschluss fanden vier Workshops der VTH-QUALITÄTSPARTNER Henkel, Ruderer (technicoll) und Sika, des Klebstoff-/Klebeband-Herstellers Tesa sowie ein Krückemeyer-Betriebsrundgang statt.

Professor Groß rückte die „Hochleistungstechnologie“ gleich zu Beginn in ein helles Licht. In der Nachfolge des Nietens (19. Jahrhundert) und des Schweißens (20. Jahrhundert) sei das Kleben die maßgebliche Verbindungstechnik unserer Zeit. Angetrieben durch die Leichtbauweise im Fahrzeugbau und durch die Miniaturisierung in der Elektro- und Informationstechnik steige die Nachfrage auch in anderen Anwendungsbereichen. Groß sagte: „Die Klebtechnik hat ein enormes Entwicklungspotential – und wir stehen erst am Anfang.“ Mit einem gesteigerten „Klebbewusstsein“ in der Industrie werde auch der Beratungsanspruch der Kunden an den Technischen Handel steigen. Dieser stehe vor der Herausforderung, das jeweils passende Angebot aus rund 35.000 vorhandenen Klebstoffprodukten auszuwählen.

Prof. Dr. A. Groß
Klebtechnik hat ein enormes Entwicklungspotential - und wir stehen erst am Anfang.
Prof. Dr. Andreas Groß, Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) in Bremen

In ihrem technicoll-Workshop sprachen Petra und Volker Ruderer später sogar von 100.000 Rezepturen. Rüdiger Gölz von der Sika Deutschland GmbH wies darauf hin, dass die Lieferindustrie Sortimente vorhalte, die auf typische Anwendungen abgestimmt sind. Das erleichtere die Beratung.

Um die Bandbreite von Klebebändern ging es beim Beiersdorf-Unternehmen tesa sowie bei Krückemeyer. Im Rundgang durch die Produktion von Krückemeyer staunten die Technischen Händler über eine nahezu endlose Vielfalt an Material- und Fertigungsmöglichkeiten. Das 1950 gegründete Unternehmen produziert auf Kundenwunsch Lauflängen von 1 bis 5.000 Meter pro Klebebandrolle in Breiten von >0,5 bis 1.600 Millimetern. Dazu kommen unter anderem selbstklebende Schleifmittel, Schaumstoffe und Stanzteile.

Ein Gefühl für die richtige Applizierung und Dosierung von Klebstoffen erhielten die Teilnehmer des Thementags im Umgang mit hochwertigen technicoll- und Loctite-Produkten. Beim Nass-Kleben von Plastik, angeleitet von der Ruderer Klebetechnik GmbH, bemerkten sie, dass mit zu geringen Auftragsmengen keine kraftschlüssige Klebung möglich ist. Dies könnte bei Gebrauchsgütern wie einem Bügeleisen fatale Folgen für den Benutzer haben. Im Umgang mit einem Hybridklebstoff unter Aufsicht von Henkel lernten die Teilnehmer, dass Strukturklebstoffe ähnlich schnell arbeiten können wie Sofortklebstoffe – mit enormer Klebkraft: Mit nur 3 Gramm Klebstoff und einer Stunde Aushärtung sei es möglich, einen 208 Tonnen schweren Güterzug zu ziehen.

Thomas Vierhaus, Geschäftsführendes VTH-Vorstandsmitglied, zog nicht nur wegen des großen Zuspruchs eine positive Bilanz: „Für den VTH war der 2. Thementag eine gelungene Generalprobe für die Gründung einer neuen VTH-Fachgruppe, die im Frühjahr vollzogen werden könnte.“

Beim Technicoll-Workshop mit Petra Ruderer, Ruderer Klebetechnik (o. r.) und bei der Henkel-Produktvorstellung von neuen universellen Strukturklebstoffen (u.) bekamen die Teilnehmer des Thementags ein Gefühl für die richtige Applizierung und Dosierung. Fotos: KOLLAXO (o.) und Krückemeyer (u.)